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Neu aufgenommen

Wirtschaftswissenschaften, Marketing & Werbung

Anlanger, Roman, Engel, Wolfgang A.: Trojanisches Marketing. Mit unkonventionelle Werbung zum Markterfolg. Planegg/München 2008.
Wer mit dem Anspruch auftritt, eine neue Methode erfunden zu haben, fühlt sich dazu gedrängt, dem Ganzen einen Namen zu geben und diesen gleich mit einem Copyright zu belegen. Dieser Versuchung zu erliegen, ist eigentlich das Einzige, was mich an diesem Buch stört. Denn so neu ist die Methode auch wieder nicht. Aber den beiden Autoren ist es gelungen, vorhandenes Wissen neu zu ordnen, besser zu veranschaulichen und mit guten Praxisbeispielen den Leser zu verkaufen. Ein Buch, das man immer wieder in die Hand nehmen kann, um sein eigenes System abzugleichen und neue Instrumente zu integrieren. Den Beitrag über Storytelling verantworte ich selber.

Schüller, Anne M.: Kundennähe in Chefetage. Wie sie Mitarbeiter kundenfokussiert führen. Zürich 2008.
Die Autorin hat sich als Expertin für Loyalitätsmarketing einen Namen gemacht. Und da sie in der praktischen Beratungsarbeit immer wieder feststellen musste, dass die besten Konzepte nicht umgesetzt werden, wenn die Chefs nicht voll dahinter stehen, schrieb sie dieses Buch. Auf meiner Empfehlungsliste steht es weit oben, weil man Engagement spürt, weil gängige Missverständnisse aufgedeckt und geklärt werden und weil es ganz konkrete Schritte und Instrumente vorschlägt, wie der Kunde von der Sprachhülse in Leitbildern zu einem fassbaren Gegenüber im ganz gewöhnlichen Betriebsalltag wird. Anders gesagt: Theoretisch zwar nichts Neues, aber als praktisches Hilfsmittel ziemlich einzigartig.

Neurologie

Doidge, Norman: Neustart Kopf. Wie sich unser Gehirn selbst repariert. Frankfurt am Main 2008.
Der englische Originaltitel "The Brain that changes itself" trifft Inhalt und Anliegen des Autors besser: intakte Hirnareale können unter gewissen Umständen Funktionen von geschädigten Hirnarealen übernehmen. Gerade weil der Autor wenig spekuliert und lieber genau beobachtet. Anhand vieler Fallbeispiele und mit grossem Einfühlungsvermögen zeigt Norman Doidge auf, wie das Gehirn funktioniert und sich auch dann noch verändert, wenn die wichtigsten neuronalen Muster schon lange verknüpft sind. Seine Formulierungen sind klar und verständlich, auch wenn Vorkenntnisse die Lektüre vereinfachen und ein Glossar hilfreich sein könnten. Ein spannendes Buch, das uns auch viel über das Menschsein an sich erzählt.

Elger, Christian E.: Neuroleadeship. Erkenntnisse der Hirnforschung für die Führung von Mitarbeitern. München 2009.
Im deutschsprachigen Raum sagten die Neurowissenschaftler bisher wenig  zum Thema Leadership. Zumindest nicht öffentlich. Christian E. Elger, Direktor der Klinik für Epileptologie in Bonn, leistet also Pionierarbeit und gibt vor, worauf in Zukunft vermehrt zu achten ist. Die unzähligen Coaches und Verfasser von Führungsratgebern werden fortan nicht mehr sagen können, sie hätten von allem nichts gewusst. Ob sie allerdings auch dazu sind, ihre alten Modelle zu überdenken, bezweifle ich. Warum dem so ist, steht ebenfalls in diesem Buch, das ich gerne weiterempfehle. Auch wenn der Autor die Bremse nicht ganz losliess und seinen Lesern zu viele Gelegenheiten gibt, die alten Geschichten so umzudeuten, dass man persönlichen Veränderungen ausweichen kann.

Nützel Nikolaus, Andrich, Jürgen: Das Universum im Kopf. Wie unser Gehirn funktioniert. Berlin 2008.
Ein Buch, das ich nicht unbedingt zur Lektüre empfehle, weil das Konzept missglückt ist und genügend Alternativen bestehen. Sprache und Stil sind so angelegt, dass man das Gefühl hat, die Autoren moderierten eine Kindersendung. Das wäre an sich nicht verwerflich, wenn der Inhalt ebenfalls so einfach wäre. Ist er aber nicht, weil die vielen Fachausdrücke verwirren und anschauliche Metaphern fehlen.

O’Shea, Michael: Das Gehirn. Eine Einführung. Stuttgart 2008.
Den Direktor des Sussex Centre for Neuroscience hat vielleicht das komprimierteste Lehrbuch über das menschliche Gehirn verfasst. Ganz bestimmt das günstigste. Denn der Reclam Verlag verlangt für den 180seitigen Wissensschatz lediglich etwas mehr als fünf Euro. Klar, anschaulich, verständlich und engagiert schreibt Michael O’Shea über die wichtigsten Themen. Auch wenn der Autor sich an ein Fachpublikum richtet, können auch interessierte Laien seinen Ausführungen folgen. Zumal auch erstaunlich viele Illustrationen und Bilder Aufnahme gefunden haben. Aktuell, umfassend und preisgünstig.

Pink, Daniel H.: A Whole New Mind. Why Right-Brainers Will Rule The Future. New York 2006.
Der Autor greift in diesem empfehlenswerten Buch zum Glück  zu Formulierungen, die man auch ohne Englisch-Diplom höchster Stufe versteht. Zudem veranschaulicht er seine Thesen durch einfache, nachvollziehbare Beispiele. Schade nur, dass er mit der Metapher von der rechten Hirnhälfte arbeitet. Denn damit zementiert er ein Bild vom menschlichen Gehirn, das durch den Nobelpreisträger Roger Wolcott Sperry berühmt wurde, aber auf Forschungsarbeiten beruht, die schon sechs Jahrzehnte alt sind. Heute wissen wir, dass unser Gehirn ein dynamisches System ist, das sich nicht einfach in links und rechts einteilen lässt. Gefordert sind daher in der Terminologie von Pink: Design, Story, Symphony, Empathy, Play und Meaning. Die Lektüre macht auch Spaß, weil der Autor versucht, seine Ratschläge selber zu befolgen. Also erzählt er Geschichten, lockert den Text mir klugen Zitaten auf, skizziert Übungseinheiten und übersetzt Wissenschaftssprache in verständliche Bilder.