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Neurologie

Aamodt , Sandra; Wang, Samuel: Welcome to Your Brain. Ein respektloser Führer durch die Welt unseres Gehirns.  München 2008.
Die Chefredakteurin von "Nature" und ein Neurowissenschaftler haben eine leicht verständliche, fundierte und sehr anschauliche Einführung für Laien geschrieben. Dem Autorenduo gelingt es, ihre verdichteten Informationen so aufzulockern, dass der Leser das Gefühl hat, er würde an der Aufführung von 31 Lehrstücken teilnehmen, die nur für ihn inszeniert wurden. Und sie auch auf all die vielen, meist falschen Mythen eingehen, klären sie Missverständnisse, das Verständnis des Gehirns erschweren. Schade nur, dass besonders neugierige Leser keine Hinweise auf Fortsetzungen oder Vertiefungen finden. Auf Literaturangaben vollständig zu verzichten, ist beinahe unentschuldbar.

André, Christophe, Lelord, François: Die Macht der Emotionen und wie sie unseren Alltag bestimmen. Leipzig 2002.
Zwei Mediziner und Psychologen, die bereits mehrere Bücher zu ihren Themen verfassten, unter anderem „Der ganz normale Wahnsinn“ und „Die Kunst der Selbstachtung“. Auf knapp 400 Seiten geben die beiden Franzosen in diesem Buch eine umfassende Übersicht über den gegenwärtigen Stand der Emotionsforschung. Dabei gehen sie von Kategorien aus, die Laien geläufig sind: Zorn, Neid, Freude, Traurigkeit, Scham, Eifersucht, Angst und Liebe. Wie das Autorenduo die schwierige Aufgabe anpackt und meistert, finde ich bewundernswert. Kritik an einigen inhaltlichen Meinungsdifferenzen drängt sich daher nicht auf.

Alkon, Daniel L.: Auf der Suche nach der Erinnerung. Stuttgart 1995.
Der amerikanische Mediziner und Neurologie hat sein eindrückliches Werk 1992 verfasst. Nicht zuletzt als eine Art wissenschaftliche Aufarbeitung persönlicher Erlebnisse. Obwohl seither über Jahrzehnt vergangen ist, gehört dieses Buch über die Funktionsweise unserer Gedächtnissysteme noch immer zum Besten, das ich kenne. In den Geschichte, die das Leben schrieb verwurzelt und mit den Geschichten aus wissenschaftlichen Labors verwoben.

Anderson, John R.: Kognitive Psychologie. 2. Aufl. Heidelberg 1996.
Unter den zahlreichen Lehrbüchern zum Thema eines des Standardwerke. Da ich nicht mehr daran glaube dass solche Wissensvermittlung funktioniert, handle ich Lehrbücher dieser Art nun noch als Nachschlagewerke. Das kann ich mir erlauben, weil ich dem Leidensdruck einer guten Prüfungsnote nicht mehr ausgesetzt bin. Wie sagt Gerhard Roth so schön? Verhaltensänderungen durch Einsicht sind eine Illusion.

Andreasen, Nancy: Brave New Brain. Geist, Gehirn, Genom. Berlin 2002.
Im Springer Verlag erschienen, ziemlich teuer, 430 Seiten dick und mit zahlreichen Abbildungen versehen. Ein Buch für Fachleute, die in der Psychiatrie tätig sind, am aktuellsten Kenntnisstand in der Neurologie teilhaben möchten und es mögen, wenn Spezialwissen in lebendige Fallgeschichten eingebettet ist. Von einem solchen Leser bekam ich das Buch denn auch geschenkt und zupfte mir als fortgeschrittener Laie vieles heraus.

Ankowitsch, Christian: Generation Emotion. Die Zukunft der Gefühle und wie sie uns steuern. Berlin 2002.
Ein preiswertes und süffig geschriebenes Buch über die Welt der Emotionen. Der freie Journalist hinterlässt mit seinem Handwerk Spuren bei der Zeit und der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Das Gewicht legt Ankowitsch in erster Linie auf das Warum? Welche Folgen eine konsequentere Anwendung neurologischer Erkenntnisse im Alltag haben könnte, kommt eher etwas zu kurz. Als Einstieg in neurologisches Basiswissen kann ich die Lektüre der 268 Seiten sehr empfehlen.

Baron-Cohen, Simon: Vom ersten Tag an anders. Das weibliche und das männliche Gehirn. Düsseldorf 2004.
Die Frage, was Männer und Frauen unterscheidet, beschäftigt mich persönlich weit weniger als die Frage, was das menschliche Verhalten ganz allgemein beeinflusst. Aber wer nach wissenschaftlichen Erklärungsversuchen Ausschau hält, weshalb wir das andere Geschlecht nie ganz verstehen werden, hat mit diesem Buch eine gute Alternative zu den Werken des Ehepaars Pease, die ich in diesem Literaturverzeichnis nicht aufführe. Nicht weil ich deren Thesen nicht kenne oder mag, sondern weil sie mir doch allzu populärwissenschaftlich daherkommen und Vorurteile bestätigen, die wenig bringen.

Bauer, Joachim: Prinzip Menschlichkeit. Warum wir von Natur aus kooperieren. Hamburg 2006.
Mit dieser Streitschrift kämpft der Autor gegen die soziobiologische und neodarwinistische Auffassung an, Egoismus sei ein evolutionäres Programm und wer den Kampf ums Überleben nicht führe, gehöre zu den Programmfehlern. Die naturwissenschaftliche Begriffe, Studien und neurowissenschaftliche Befunde werden manchmal zu stark mit persönlichen Überzeugungen und Anliegen verknüpft. Verständlich geschrieben und trotz zahlreicher Wiederholungen meist spannend und unterhaltsam.

Bauer, Joachim: Das Gedächtnis des Körpers. Frankfurt am Main 2002.
Der im deutschen Freiburg lehrende Psychoneuroimmunologe hat sich darauf spezialisiert, wie Gene und Erfahrungen sich gegenseitig beeinflussen. Wer sich mit Fragen von Depression und Stress beschäftigt, wird bei Bauer auf Antworten stossen, die neue Sichtweisen eröffnen. Verständlich geschrieben, gut gegliedert, mit ausführlichem Literaturverzeichnis und hilfreichen Zusammenfassungen.

Bauer Joachim: Warum ich fühle, was du fühlst. Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneuronen. 2. Aufl., Hamburg 2005.
Alles andere als erstaunlich, dass gerade Joachim Bauer die Aufgabe übernimmt, einen ersten umfassenden Zwischenbericht über die Spiegelzellen zu verfassen. Denn was Sache der Gene und was des Lernens durch Imitation ist, interessierte Bauer schon immer. Für alle, die wissen möchten, was im Gehirn vorgeht, wenn uns Lachen oder Gähnen ansteckt, wo Erziehung beginnt und endet und wie Kommunikation mit Neurologie zusammenhängt.

Beck, Hanno: Die Logik des Irrtums. Wie uns das Gehirn täglich ein Schnippchen schlägt. Frankfurt am Main 2008.
Der Autor war acht Jahre Wirtschaftsredaktor bei der F.A.Z. Und er gehört zu den Ökonomen, die inzwischen ernsthaft daran zweifeln, dass in der Wirtschaft alles so logisch abläuft, wie an den Universitäten gepredigt wird. Allerdings glaubt er wie die meisten Akademiker, Menschen würden ihr Verhalten ändern, wenn man ihnen gut zuredet und den theoretischen Hintergrund zu den Ratschlägen liefert. Das macht die mit vielen Fallbeispielen vorgestellten Regeln etwas praxisfremd. Empfehlenswert ist das Buch vor allem, weil Hanno Beck viele Experimente vorstellt. Und zwar so, dass auch Laien verstehen, wie wissenschaftliche Hypothesen empirisch überprüft werden.

Becker, A. u.a. (Hrsg): Gene, Meme und Gehirne. Frankfurt am Main 2003.
Ein Band aus der Reihe „suhrkamp taschenbuch wissenschaft“, der Aufsätze wichtiger Forscher zugänglich macht, die sich mentalen, kulturellen und sozialen Phänomenen widmen und sie naturwissenschaftlich erklären wollen. Da es bislang zu den „Memen“ noch nicht so viel Lesbares gibt, bleibt diese Sammlung noch immer aktuell. Acht Autoren, eine tolle Einleitung und ebenso viele Fragen wie Antworten.

Becker, Nicole: Die neurowissenschaftliche Herausforderung der Pädagogik. Bad Heilbrunn 2006.
Diese Dissertation ist nötig und wichtig, weil populärwissenschaftliche Werke inzwischen viel Unsinn über neurologische Erkenntnisse in die Welt setzten. Die Autorin sichtete einen riesigen Stapel erziehungswissenschaftlicher und neurologischer Werke, macht auf irreführende Vereinfachungen aufmerksam, zeigt ihr Zustandekommen und rückt viele Dinge wieder an den richtigen Ort.

Berger, Ruth: Warum der Mensch spricht. Eine Naturgeschichte der Sprache.  Frankfurt am Main 2008.
Unter der Rubrik Neurologie reihe ich dieses empfehlenswerte Buch ein, weil Ruth Berger zu den Sprachwissenschaftlerinnen gehört, die ihre Thesen immer auch ins neurologische Umfeld stellt. Nebst dem unterhaltsamen und dennoch präzisen Sprachstil ist es die geglückte Verbindung verschiedenster Wissenschaftsdisziplinen, die das Buch so lesenswert macht. Und da die Autorin auch keine Angst vor grossen Namen hat, stellt sie Modelle in Frage, die wohl bei den meisten Lesern als gesichert und unumstösslich gelten. Für mich eines der besten und sicher aktuellsten Bücher über den evolutionären Geniestreich Sprache.

Berns, Gregory: Satisfaction. Warum nur Neues uns glücklich macht. Frankfurt 2006.
Weil so wenig Neues in diesem Buch steht, machte es mich nicht glücklich. Neu ist, dass der amerikanische Professor für Psychiatrie und Verhaltensforschung das Hirnareal Striatum in den Mittelpunkt eines populärwissenschaftlichen Buches rückt. Und um die These des Titels zu beweisen, führt er so ziemlich alles an, womit ähnliche Werke aufwarteten. Dennoch ist die eingeschlagene Richtung interessant und weckt Neugier auf Querverbindungen

Bieri, Peter: Das Handwerk der Freiheit. Über die Entdeckung des eigenen Willens. München 2001.
Der in Berlin lehrende Philosoph aus der Schweiz beschäftigt sich unter dem Pseudonym Pascal Mercier auch literarisch mit der Funktionsweise des menschlichen Gehirns. In diesem Buch versucht er mit guten und einleuchtenden Argumenten den freien Willen zu retten. Philosophie, die auch Nichtphilosophen noch verstehen.

Blackmore, Susan: Gespräche über Bewusstsein. Frankfurt am Main 2007.
Die Autorin studierte Psychologie und Physiologie in Oxford. Und ihr Buch „Die Macht der Meme“ machte sie als Expertin für kulturelle Evolution bekannt. „Gespräche über Bewusstsein“ geht auf ein Radiofeature zurück und erschien bereits 2005. Es ist eine Sammlung von zwanzig Interviews mit führenden Bewusstseinsforschern. Spannend ist die Lektüre vor allem, weil sie nebst einem Überblick über den gegenwärtigen Stand der Forschung auch zeigt, wie Menschen mit Erkenntnissen umgehen, die ihre persönlichen Bilder vom freien Willen und dem Leben nach dem Tod in Frage stellen. Da Susan Blackmore Medienarbeit nicht als billige Effekthascherei auffasst, gewinnt sie das Vertrauen ihrer Gesprächspartner, ohne ihnen nach dem Mund reden zu müssen. Ein beeindruckendes und sehr interessantes Buch. 

Blackmore, Susan: Die Macht der Meme oder Die Evolution von Kultur und Geist. Heidelberg 2000.
Als Richard Dawkins in seinem Buch „Das egoistische Gen“ 1975 den Begriff „Mem“ einführte, glaubte niemand daran, dass dieses Wort vom Oxford English Dictionary“ aufgenommen würde. Aber seit die Neurologen die Spiegelneuronen als mögliche Bausteine für Imitationsverhalten lokalisierten, hat dies umso mehr Berechtigung. Susan Blackmore gibt eine tolle Zusammenfassung der Mem-Theorie.

Boyer, Pascal: Und Mensch schuf Gott. Stuttgart 2004.
Die Versuchung ist riesig, alles Mögliche mit der Neurologie erklären zu wollen. Pascal Boyer spricht zum Glück nicht davon, wo der liebe Gott wohnt, sondern erklärt ziemlich plausibel, weshalb unser Gehirn ein Wesen braucht, das als Projektionsfläche für das Unsichtbare dient. Für mich klar eines der besten Bücher zu diesem heiklen Thema.

Brizendine, Louann. Das weibliche Gehirn. Warum Frauen anders sind als Männer. Hamburg 2007.
Die amerikanische Neuropsychiaterin gibt in ihrem Extrakt aus gut 900 Fachpublikationen einen guten Überblick über den gegenwärtigen Stand der Forschung. Allerdings hört die Wissenschaftswelt der Autorin an den Grenzen der englischen Sprache auf, weshalb wir zwar von Spiegelneuronen, nicht aber von ihrem Entdecker etwas erfahren. Die Mischung aus populärwissenschaftlichem Werk, akademischem Summary und Werbemittel für Brizendines Hormonklinik erfordert von der Leserschaft ein gewisses Durchhaltevermögen und minimale Lust an Fachtermini. Primär für Frauen geschrieben, kann die Lektüre aber auch Männern empfohlen werden.

Burrel, Brian: Im Museum der Gehirne. Die Suche nach Geist in den Köpfen berühmter Menschen. Hamburg 2005.
Der Autor ist Mathematiker und rollt die Wissenschaftsgeschichte der Neurologie auf interessante Weise auf. Denn er erzählt die Geschichten, wie Forscher dem Geheimnis der Gehirns auf die Spur kommen wollten, indem sie die Denkapparate berühmter Köpfe untersuchten. Der Leser erfährt so mehr über Wissenschaft als Tragikkomödie als über den neusten Stand der Gehirnforschung. Unterhaltsam und erhellend.

Burnham, Terry, Phelan Jay. Unsere Gene. Eine Gebrauchsanweisung für ein besseres Leben. Berlin 2002.
Amerikanischer Wissenschaftsjournalismus vom Feinsten. Die Autoren lehren an bekannten Universitäten, haben Witz und einen riesigen Wissensschatz, den sie ihren Lesern Stück für Stück überreichen. Die vier Kapitel lauten: Dünne Brieftaschen und dicke Bäuche, Die ständigen Begierden, Romantik und Reproduktion sowie Ich und die Anderen. Ein Lesevergnügen mit nachhaltigen Effekten.

Calvin, William H.: Die Symphonie des Denkens. München 1993.
Als dieses Buch 1989 in Amerika erschien, war die Aufmerksamkeit gross. Denn vor Calvin gab es noch kein vergleichbares Werk, das neurologisches Wissen so aufarbeitete, dass es auch von einer breiten Öffentlichkeit verstanden wurde. Inzwischen ist eben doch einiges überholt. Aber die Zitate und viele Darstellungen von Grundsätzlichen Vorgängen lohnen die Lektüre noch immer.

Calvin, William H.: Wie das Gehirn denkt. Heidelberg 1998.
Im Erscheinungsjahr des Originals ein Ereignis. Heute aber inhaltlich doch in vielen Passagen überholt. Dennoch sind einige der Schaubilder und logischen Herleitungen so prägnant und einzigartig, dass sich das Stöbern in diesem Buch noch lohnt.

Calvin, William H.: Die Sprache des Gehirns. München 2000.
Der amerikanische Neurobiologe erfindet immer wieder Metaphern und Bilder, die dem Leser das Verständnis komplexer Zusammenhänge erleichtern. Das beweist er auch in diesem Buch, in dem er seinen Lesern einen Arbeitsraum in der Form einer Bienenwabe bietet, den er Stück für Stück füllt. Und wie immer findet er Zitate, die wir nicht schon aus anderen Werken oder Sammlungen kennen.

Churchland, Paul M.: Die Seelenmaschine. Eine philosophische Reise ins Gehirn. Heidelberg 1997.
Der amerikanische Professor für Philosophie gilt als Vertreter des Materialismus. Also glaubt er daran, dass man irgendwann ein menschliches Gehirn auch nachbauen könne. Für alle, die sich für künstliche Intelligenz interessieren, ist Churchland daher fast Pflichtlektüre. Im Buch fehlen die Pläne noch. Dafür finden sich Exkurse in Gebiete, die unseren Alltag prägen.

Claxton, Guy: Die Macht der Selbsttäuschung. München 1997.
Bereits 1994 im Original erschienen, ist dieses Buch noch immer eines der unterhaltsamsten Werke zur Evolution des menschlichen Gehirns. Das liegt am Witz des Autors, an seinen Erzählungen und Anekdoten. Wer Beispiele für menschliche Selbsttäuschungen sucht, wird bei Claxton fündig.

Cohen, Gene D.: Vital und kreativ. Geistige Fitness im Alter. Düsseldorf 2006.
Dieses Buch des amerikanischen Gesundheitswissenschaftlers und Psychiaters findet Aufnahme in dieser Literaturliste, weil der Autor seine Thesen auch auf die Erkenntnisse der Neurologen stützt. In verständliche Sprache schreibt er ein „Anti-Aging-Buch“ der anderen Art. Nüchtern und humorvoll zugleich, mit vielen Geschichten, spannenden wissenschaftlichen Exkursen und nützlichen Lektionen für den Alltag. Der ausführliche Anhang enthält einen interessanten Anmerkungsapparat, Literaturhinweise für ein paar Jahrzehnte Lektüre, Adressen sowie ein Register.

Crick, Francis. Was die Seele wirklich ist. Die naturwissenschaftliche Erforschung des Bewusstseins. Hamburg 1997.
Für die Entdeckung der Doppelhelix-Struktur des DNA-Moleküls bekam der 1916 geborene Francis Crick zusammen mit James D. Watson 1962 den Nobelpreis. Seit den achtzige Jahren beschäftigt sich Crick auch mit der Kognitions- und Bewusstseinsforschung. Die fast 400 Seiten sind keine leichte Kost. Da es aktueller Werke gibt, die für Laien zudem verständlicher sind, gehört dieses Werk nicht zwingend zur Pflichtlektüre.

Cruse, Holk u.a.: Die Entdeckung der Intelligenz oder können Ameisen denken? München 2001.
Ein Taschenbuch für alle, die nach Arbeitsschluss in den Keller steigen, um kluge Maschinen oder sogar Roboter zu bauen. Die Autoren untersuchen intelligentes Verhalten bei Tieren, zeigen auf, wie Intelligenz entsteht und was sie auszeichnet. Unzählige Versuche, die illustriert und so beschrieben werden, dass sie von Laien noch halbwegs verstanden werden.

Damasio, Antonio R.: Decartes' Irrtum. Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn. 3. Aufl., München 1998.
Ein Klassiker der Emotionsforschung, der inzwischen auch im Taschenbuch vorliegt. Seit dem Erscheinen des Originals 1994 wurde der Text nicht mehr aktualisiert, was im Bereich der Hirnforschung zur Folge hat, dass neue Erklärungsmodelle und Experimente nicht aufgenommen wurden. Wer Einfacheres und Aktuelleres sucht, vertiefe sich lieber in eines der neueren Werke von Antonio R. Damasio.

Damasio, Antonio R.: Ich fühle. Also bin ich. Die Entschlüsselung des Bewusstseins. München 2002.
Mit diesem Werk hat sich Antonio R. Damasio endgültig als Forscher etabliert, der die Kunst der Wissensvermittlung versteht. 463 Seiten dick und trotzdem nie langweilig, das ist eine Leistung, die nur wenige Sachbuchautoren vorweisen können. Entschlüsselt hat allerdings auch Damasio die Geheimnisse des Bewusstseins nicht endgültig. Aber auf diesen Untertitel hat die Originalausgabe auch verzichtet.

Damasio, Antonio R.: Der Spinoza Effekt. München 2003.
Mindestens einen Damasio muss man als neurologisch interessierter Erdenbürger lesen. Der bisher neuste ist der verständlichste und unterhaltsamste. Nur wenige Hirnforscher verstehen es so gut wie Damasio, das Zusammenspiel zwischen Denken, Fühlen und Körper zu veranschaulichen. Und weil er als Spinoza-Fan den wissenschaftlichen Elfenbeinturm immer wieder verlässt, fehlt auch der Bezug zum Alltag, zu den menschlichen Freuden und Ängsten nicht.

Deneke, Friedrich-Wilhelm. Psychische Struktur und Gehirn. 2. Aufl. Stuttgart 2001.
Ein Buch, das im neurologischen Erkenntnisgetöse zu Unrecht unterging. Denn der deutsche Mediziner und Psychoanalytiker geht vorsichtig ans Werk und hat gerade deshalb vieles ans Licht gebracht, das sonst in der esoterischen Ecke vergammelt. Für alle, die sich für die Psyche des Menschen interessieren sehr empfehlenswert.

Doidge, Norman: Neustart Kopf. Wie sich unser Gehirn selbst repariert. Frankfurt am Main 2008.
Der englische Originaltitel "The Brain that changes itself" trifft Inhalt und Anliegen des Autors besser: intakte Hirnareale können unter gewissen Umständen Funktionen von geschädigten Hirnarealen übernehmen. Gerade weil der Autor wenig spekuliert und lieber genau beobachtet. Anhand vieler Fallbeispiele und mit grossem Einfühlungsvermögen zeigt Norman Doidge auf, wie das Gehirn funktioniert und sich auch dann noch verändert, wenn die wichtigsten neuronalen Muster schon lange verknüpft sind. Seine Formulierungen sind klar und verständlich, auch wenn Vorkenntnisse die Lektüre vereinfachen und ein Glossar hilfreich sein könnten. Ein spannendes Buch, das uns auch viel über das Menschsein an sich erzählt.

Dörner, Dietrich. Bauplan für die Seele. Hamburg 1999.
Man mag Dörner als Spinner bezeichnen oder als Prophet. Fest steht, dass sich niemand so konsequent daran wagte, aus den bisher bekannten Teilen eine Seele zu basteln. Die Lektüre des 833 Seiten dicken Buches braucht Durchhaltevermögen, Sinn für Mechanik, Phantasie, Neugier und den Glauben, dass Wissenschafter wie Dörner für den Erkenntnisfortschritt unverzichtbar sind.

Dörner, Dietrich. Die Mechanik des Seelenwagens. Bern 2002.
Die Fortsetzung des Megawerks von 1999. Allerdings weniger schmackhaft dargeboten, dafür um einiges kürzer und aktualisiert. Und wer zum ersten Mal mit der besonderen Welt Dietrich Dörnern konfrontiert wird, hat wohl seine liebe Mühe, allen Gedankengängen zu folgen.

Draaisma, Douwe: Geist auf Abwegen. Alzheimer, Parkinson und Co. Von den Wegbereitern der Gehirnforschung und ihren Fällen. Frankfurt am Main 2008.
Im Zentrum stehen nicht neurowissenschaftliche Erkenntnisse, sondern zwölf Forscher und ihre verworrenen Wege zu akademischem Ruhm. Für maximalen Lesegenuss braucht es also zwei Voraussetzungen: Interesse an neurologisch bedingten Krankheiten und Interesse an Wissenschaftsgeschichte. Statt Fakten, Namen und Daten aneinanderzureihen, erzählt Draaisma spannende, schräge, tragische und fröhliche Geschichten. Er haucht historischen Personen Leben ein, beschreibt deren Umfelder und ermöglicht dem Leser Einblicke in akademische Sozialbiotope. Und ganz nebenbei erfahren Näheres über die Parkinson-Krankheit, Alzheimer oder das Asperger-Syndrom. Neun weitere neurologische Störungen sind weniger bekannt, da sie sehr viel seltener auftreten. Den wissenschaftlichen Hintergrund der zwölf Erzählungen belegt der Autor durch einen grossen Anmerkungsapparat. Und wer auf der Suche nach ganz bestimmten Personen ist, bekommt Hilfe im ausführlichen Namensverzeichnis.

Draaisma, Douwe. Die Metaphern-Maschine. Eine Geschichte des Gedächtnisses. Darmstadt 1999.
Der holländische Dozent für Geschichte der Psychologie hat unglaubliche Recherchenarbeit geleistet, um diese Kulturgeschichte des menschlichen Nachdenkens über das Gedächtnis zu verfassen. Das Ergebnis ist faszinierend und erhellend. Tolles Bildmaterial und eine lockere Sprache.

Draaisma, Douwe. Warum das Leben schneller vergeht, wenn man älter wird. Von den Rätseln unserer Erinnerung. Frankfurt am Main 2004.
Schacter oder Draaisma? Wer mich nach einer Empfehlung fragt, welches Buch er zum Thema Gedächtnis lesen soll, erhält beide Namen. Und soll auch von beiden das neuste Werk lesen, weil sie so verständlich, fundiert und unterhaltsam sind. Weil man nach der Lektüre von Draaisma bei jede Party endlich mit Erklärungen zu Déja-vus aufwarten kann, lohnt sich der Aufwand auch unter sozialem Gesichtspunkt.

Drewermann, Eugen: Atem des Lebens. Die moderne Neurologie und die Frage nach Gott. Band 1: Das Gehirn. Grundlagen und Erkenntnisse der Hirnforschung. Düsseldorf 2006.
Wenn sich der katholische Theologe, Psychoanalytiker und Schriftsteller Eugen Drewermann einer Sache annimmt, leistet er ganze Arbeit. Daher reichen selbst 862 Seiten nicht, um seine Ausführung zu Gott und Hirnwissenschaft zu fassen. Im ersten Band vermittelt er das anatomische Grundwissen über das Gehirn und geht näher auf einige Leistungen wie Lernen, Erinnern, Wahrnehmen, Triebe und Emotionen ein. Da er Vorgehen und Stil eines Naturwissenschaftlers wählt, ist die Lektüre sehr anspruchvoll. Der Anhang mit Bibliographie und diversen Registern umfasst 150 Seiten. Zwischen seinen akribisch vorgetragenen Erläuterungen gibt es immer wieder die für Drewermann so typischen geistigen Exkurse, die ihn so einzigartig machen. Antworten auf die spannenden Fragen um Bewusstsein und Selbstbewusstsein sind für den Band 2 vorgesehen.

Drewermann, Eugen: Atem des Lebens. Die moderne Neurologie und die Frage nach Gott. Band 2: Die Seele. Zwischen Angst und Vertrauen. Düsseldorf 2007.
Nachdem der katholische Theologe, Psychoanalytiker und Schriftsteller Eugen Drewermann im ersten Band das anatomisches Grundwissen über das Gehirn sowie seine wichtigsten Leistungen in den Mittelpunkt stellte, geht es nun um die Annäherung an die Seele. 942 Seiten Text und 124 Seiten Anhang könnten abschreckend wirken. Aber da Drewermann tatsächlich alle wesentlichen Bücher und Forschungserkenntnisse verarbeitet, erspart sich der interessierte Leser mit der Lektüre von Drewermanns Werken eine ganze Bibliothek. Voraussetzung ist allerdings, dass man sich auf den Stil eines Naturwissenschaftlers einlässt, auch wenn der Autor stilistisch ganze Arbeit leistet. Besonders interessant sind die Ausführungen über den freien Willen.

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