Wirtschaftswissenschaften, Marketing & Werbung
Biehl, Brigitte: Business is Showbusiness. Wie Topmanager sich vor Publikum inszenieren. Frankfurt am Main 2007
Wenn die Beschäftigung mit den Neurowissenschaften zum Ansatz von Storytelling führen, erstaunt es auch nicht, wenn eine Theaterwissenschaftlerin nun in Wales als Marketing-Dozentin wirkt. Ihr Buch über Inszenierungen von Aktionärsversammlungen und Analystentreffen liest sich trotz des wissenschaftlichen Ansatzes leicht. Und wer nach der Lektüre noch immer glaubt, der Mensch sei ein rationales Wesen, hat die Studien und Beobachtungen der Autorin wohl nicht verstanden.
D'Alessandro, David F.: Was Marken unschlagbar macht. 10 goldenen Regeln für exzellentes Brand Management. München 2002.
Auch in diesem Buch steht letztlich nichts Neues. Der Autor glaubt eben auch daran, dass erfolgreiches Branding am Schreibtisch geplant werden kann. Und so vermischen sich Wunschvorstellungen mit brauchbaren Tipps und Strategien.
Dams, Colja M, Dams, Vok: Code Rouge. Gesetze des Erfolgs für Events und Live-Marketing. Frankfurt am Main 2008.
Aus meiner Sicht ist dieses Buch vor allem eine verkappte Werbebroschüre für die beiden Gründer des Instituts für Live-Marketing. Sie treten auf, als hätten sie Kommunikation, Marketing und Events eben neu erfunden. Es erstaunt denn auch nicht, dass sich die beiden in Formulierungen ihres Könnens und Tuns so überschlagen, dass sogar amerikanische Selbstdarsteller ins Staunen kämen. Die Gesetzessammlung von Code Rouge umfasst knapp 90 Gebote, die es zu befolgen gilt. Selbstverständlich darf da Neuromarketing nicht fehlen. Nur werden unter diesem Begriff alle möglichen Dinge abgehandelt. Klappentexter und Autoren können mir noch lange ins Gewissen reden, dass ich den Code Rouge kennen und anwenden muss, um Erfolg zu haben. Solange es auch ohne so komplizierte Systeme geht, verzichte ich vornehm darauf.
Dannenberg, Marius; Barthel, Sascha: Effiziente Marktforschung. Frankfurt am Main 2004.
Ein Kompendium zur klassischen Marktforschung, das auch Ansätze aufzeigt, in welche Richtung es gehen müsste, wenn der rationale Mensch tatsächlich nicht existieren würde. Dient mir als Nachschlagewerk, wenn ich mich Kunden zuliebe in bekannten Gebieten aufhalten muss.
Davenport, Thomas H., Beck, John C.: The Attention Economy. Boston 2001.
Nur ganz wenige Ökonomen haben die Liste der knappen Güter durch „Aufmerksamkeit“ ergänzt. Die beiden Autoren machen einen ersten Versuch, den Kanon endlich aufzubrechen. Zwar noch zaghaft, um nicht gleich verstossen zu werden, aber doch klar genug, dass man ihnen langsam Gehör schenkt. Dient mir dazu, potenzielle Kunden mit ökonomischen Argumenten für neue Strategien zu gewinnen.
Davis, Melinda: Wa(h)re Sehnsucht. Was wir wirklich kaufen. Düsseldorf 2003.
Die Psychologie des Konsums ist im Umbruch, seit der Homo Oeconomicus an Ansehen verliert. Das Buch trägt dem zum Teil Rechnung, gibt aber vor allem das wieder, was in jedem Buch zu diesem Thema steht. Der Titel weckte bei mir andere Erwartungen.
Decker, Charles L.: Das Beste ist nie gut genug. Die 99 Erfolgsregeln von Procter & Gamble. Landsberg/Lech 1999.
Die Regeln mögen ja alle zutreffen. Aber wem gelingt es schon, 99 Regeln zu planen und dann auch wirklich umzusetzen? In der Praxis eben niemandem, da die Komplexität mit jeder Regeln mehr so zunimmt, dass sie nicht mehr vermittelbar ist.
Docters, Robert G, Dürr, Martin u.a.: Pricing und Branding. Strategien für mehr Profit. Frankfurt 2005.
Das umfassendste Werk zur Preisgestaltung, das ich kenne. Und dass die Autoren Pricing mit Branding verbinden, macht dieses Buch noch lesenswerter. Schade, dass die vom Unbewussten gesteuerten Verhaltensweisen und Faktoren auch hier zu kurz kommen.
Doswald, Christoph (Hrsg.): Happy – Das Versprechen der Werbung. Zürich 2002.
Der Katalog zu einer Ausstellung, die auf grosses Publikumsinteresse stiess und Bildmaterial enthält, das sonst kaum mehr zugänglich ist.
Dubben, Hans-Hermann, Beck-Bornholdt, Hans-Peter. Der Hund, der Eier legt. Erkennen von Fehlinformationen durch Querdenken. Hamburg 2006.
Mit erfrischendem Witz, erfundenen und realen Beispielen, wissenschaftlichen Begründungen und wohltuender Distanz zeigen die beiden Autoren die Schwachstellen wissenschaftlicher Beweisführungen auf. Auf diese Literaturliste setze ich die aktualisierte und überarbeitete Neuauflage auch, weil es viele Schummeleien in Wirtschaft und Wissenschaft aufdeckt und nachvollziehbar macht. Walter Krämer mit „So lügt man mit Statistik“ kann ich ebenfalls empfehlen.
Dueck, Gunter: Abschied vom Homo Oeconomicus. Warum wir eine neue ökonomische Vernunft brauchen. Frankfurt am Main 2008.
Ich finde dieses Buch wichtig, aber auch leicht missglückt. Wichtig, weil sein Verfasser über eine gewisse Deutungsmacht verfügt und ein Umdenken fordert. Missglückt, weil die Frage, ob sich etwas zum Guten ändern könne, erst auf Seite 218 gestellt wird. Entsprechend kurz fallen die Antworten aus. In der Tradition klassischer Weltverbesserer steht Gunter Dueck allein am Rednerpult. Zwar zitiert er einige Mitdenker, doch Wissenschaftler, die sich intensiv mit dem Unbewussten, dem Emotionalen und dem Intuitiven auseinandersetzen, lässt er nicht auf die Bühne kommen. Das Buch ist ein kluges Plädoyer für eine neue wertorientierte, ökonomische Vernunft. Die Krux ist nur, dass der Homo oeconomicus munter weiter leben wird, wenn wir ihn vorwiegend mit der Vernunft schlagen wollen. Der Mathematiker, Betriebswirtschaftler, Chef-Technologe und Weltverbesserer Gunter Dueck sollte für die Umsetzung seines Plans noch andere Helfer holen. Die willigsten und stärksten findet er bei den Neurowissenschaftlern und Verhaltensforschern.
Eberle, Bernd: Wellness und Gesundheit als Marketingimpuls. Wie Sie den Megatrend für Ihre Produkte nutzen. Frankfurt am Main 2004.
Wer Marketingaufgaben im Gesundheitsbereich übernehmen darf, sollte sich auch bei Eberle umsehen, was es so alles zu berücksichtigen gibt. Ausserdem findet er in diesem Buch Zahlen, mit dem sich Konzepte an Kunden besser verkaufen lassen.
Eck, Klaus: Corporate Blogs. Unternehmen im Online-Dialog zum Kunden. Zürich 2007.
Um auch im Netz stark zu sein, müssen sich Unternehmen mit den Möglichkeiten der Blogs zumindest auseinandersetzen. Was dahinter steckt und wie man dieses spezielle Medium für PR, Marketing und Werbung nutzt, zeigt der Autor verständlich und mit vielen Beispielen auf. Mit Checklisten, Internetadressen und Literaturangaben.
Erber, Sigrun: Eventmarketing. Erlebnisstrategien für Marken. Landsberg/Lech 2000.
Gilt inzwischen als einer der Klassiker für Eventmanager, weil sich darin ziemlich alles findet, was zur gängigen Praxis gehört.
Feig, Barry: Marketing direkt ins Herz. Wie Sie durch die Macht der Emotionen Kunden gewinnen und binden. Landsberg 1998.
Wer seinem Buch einen solchen Titel verleiht, sollte sich zwingend mehr mit den Erkenntnissen der modernen Hirnforschung auseinandersetzen. Sonst weckt er falsche Erwartungen und füllt lediglich alten Wein in neue Schläuche.
Feige Achim: BrandFuture. Praktisches Marketingwissen für die Marktführer von morgen. Zürich 2007.
Der Autor zählt zu den anerkannten Experten für Markenführung. Indem er seine Erfahrungen in eine für Aussenstehende nachvollziehbare Ordnung bringt, ist ihm ein Buch gelungen, das sich klar vom Durchschnitt gängiger Rezeptbücher abhebt. Zwar konnte auch Achim Feige der Versuchung nicht widerstehen, seinen Rezepturen das Etikett "Original" aufzukleben, aber er macht das immerhin so unaufdringlich, dass ich das Buch gerne weiterempfehle. Achim Feiges Leistung besteht vor allem darin, dass er seine Leser dazu ermuntert, sich auch für Erkenntnisse zu interessieren, die in offiziellen Lehrbüchern nicht oder nur am Rande erwähnt werden.
Fisk, Peter: Marketing Genie. Weinheim 2007.
Der Autor ist Brite, ein sehr amerikanisierter. Denn er liebt grosse Worte, Superlative, Tellerwäschermythen und Genies. Womit er offenbar gar nichts anfangen kann, ist der Zufall. Er glaubt an die Planbarkeit und Machbarkeit aller Dinge, auch wenn die Systeme noch so komplex sind. Das Buch ist nicht die neue Marketing-Bibel. Empfehlen möchte ich es nur denen, die gewillt sind, aus der Fülle der Informationen und Widersprüche und Gemeinplätze das zu extrahieren, was sich zu anwendbaren Verhaltensmustern neu zusammenstellen lässt. Alles was zu intuitivem Vorgehen oder Neuromarketing steht, kann man ohne Verlust überlesen.
Förster, Anja / Kreuz, Peter: Alles, ausser gewöhnlich. Provokative Ideen für Manager, Märkte, Mitarbeiter. Berlin 2007.
Der Untertitel hat eine Zielgruppe im Visier, die leicht gewöhnungsbedürftig ist. Die Autoren nutzen den Erfolg ihres Regelwerks "Different Thinking", um nun selbstbewusst eine Streitschrift zu verfassen, die aufrütteln und zum Umdenken animieren will. Dabei bauen Förster und Kreuz auf die Kraft von Geschichten aussergewöhnlicher Menschen, Unternehmer und Marketer. Was das für das eigene Tun und Denken bedeutet, muss der Leser selber extrahieren. Dieser Ansatz gefällt mir, auch wenn die sprachliche Form nicht immer meinem Geschmack entspricht.
Friedman, David: Der ökonomische Code. Wie wirtschaftliches Denken unser Handeln bestimmt. Frankfurt am Main 1999.
Der Sohn des Wirtschaftsnobelpreisträgers Milton Friedman plappert seinem berühmten Vater nicht einfach alles nach, sondern entwirft eigene Denkmodelle, die er seinen Studenten in mitreissenden Vorlesungen vermittelt. Behauptet zumindest der Verlag. Ich glaube ihm, weil er mit bestechenden Beispielen aufwartet, die Rätsel des wirklichen Lebens mit ökonomischen Formeln löst. Allerdings glaubt auch er noch felsenfest daran, dass die Rationalität der Schlüssel zum Verständnis menschlichen Verhaltens sein.
Godin, Seth: Purple Cow. So infizieren Sie Ihre Zielgruppe durch Virales Marketing. Frankfurt am Main 2004.
Was an dieser Form von viralem Marketing neu sein soll, habe ich bis zum Schluss des Buches nicht begriffen. Oder kann man eine Zielgruppe erreichen, ohne dass man ihre Mitglieder ansteckt? Das Beste an diesem Buch sind die Beispiele.
Goldmann, Heinz M.: Wie man Kunden gewinnt. 13. Aufl. Düsseldorf 2005.
Unter den unzähligen Verkaufsbüchern ist mir das von Goldmann noch immer das liebste. Auch wenn selbst dieser Altmeister der Verkaufspsychologie die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung nicht gebührend zur Kenntnis nimmt. Aber das die Hirnforscher den Menschen ja nicht neu erfunden haben und bloss das anders benennen, was gute Beobachter schon immer wussten, gelten Goldmanns Einsichten noch immer. Unspektakulär, klar, umfassend.
Greenwald, Rachel: Männerbeschaffungsmarketing. Mit der Harvard-Methode den Richtigen finden. München 2004.
Das Zielpublikum der Harvard Absolventin bilden zwar Frauen über 35, aber wer einmal einen anderen Zugang zu Marketingwissen sucht, findet hier eine Gelegenheit. Was er dann mit all dem Wissen macht, muss ohnehin offen bleiben. Jedenfalls macht die Lektüre Spass.
Gummesson, Evert: Relationship-Marketing: Von 4P zu 30R. Wie Sie von den 4 Marketingprinzipien zu den 30 Erfolgsbeziehungen gelangen. Landsberg 1997.
Ein Buch, das mich damals begeisterte, da über Beziehungsaspekte tatsächlich viel Neues zu lesen war. Dreissig Regeln zu befolgen, ist allerdings nicht ganz einfach. Trotzdem noch immer empfehlenswert.
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